Baustelle Haus, Umzug und Improvisation

Schon verrückt wie das Leben so spielt. Nachdem ich unser Haus und unseren Garten sieben Jahre lang als Daueraustelle empfand, freue ich mich nun umso mehr darauf, alles um mich herum auf den Kopf zu stellen. Bisher hatte ich kein Interesse daran, da ich mich von der ersten Sekunde an in unser Haus verliebt hatte. Wir kauften uns das Haus in 2012. Ich hatte gerade erst den Umzug und das Räumen der damaligen Wohnung meinungenentzündung ins Krankenhaus, lag kurz darauf um künstlichen Koma, musste abschließend in die Kurzzeiitbetreuung während ich Ihr eine neue Wohnung im betreuten Wohnen in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses in Sande organisierte. Parallel dazu schrieb ich meine letzten Klausuren und versuchte mich so gut es geht zu organisieren. Da meine Mutter leider schon sehr früh starb und Oma alleine in meinem Heimatort Recklinghausen lebte, holte ich sie vor 8 Jahren zu mir nach Wilhelmshaven.

Tagtäglich fuhr ich zu ihr nach Sande, um mich um die Renovierung, Einrichtung und das gemeinsame Aussortieren ihrer Kleidung zu kümmern. Parallel dazu räumte ich gemeinsam mit meinen Freunden ihre “alte” Wohnung, ihren Keller und ihren Außenschuppen in Siebethsburg, entsorgte und verkaufte alles, was nicht mehr in Ihre neue Wohnung passte. Der Tag hatte nur 24 Stunden, aber irgendwie gelang es mir alles unter einen Hut zu bekommen, ohne unsere Tiere dabei zu vernachlässigen. Mein Mann befand sich indessen auf einem Containerschiff am anderen Ende der Welt und kehrte erst zurück als die finale Wohnungsabnahme erfolgte.

Bereits vor seiner Reise hatten wir unser Haus ins Auge gefasst und uns darin verliebt. Es war nicht zu klein, nicht zu groß, hatte einen selbstgebauten Partyraum im Garten, eine moderne Einbauküche, Einbauschränke im Schlafzimmer… Kurz: Der Gedanke dieses Haus zu kaufen, ließ uns nicht mehr los.

So hielt ich den Kontakt mit den vorherigen Hausbesitzern bis mein Mann von seiner großen Fahrt zurück kehrte. Daraufhin ging ich davon aus, dass nun erst einmal genug Zeit und alle Baustellen abgearbeitet seien und ich freute mich auf unsere erste Hausbesichtigung im März 2012.

Die Ruhe vorm Sturm…

Was soll ich sagen? Es blieb dabei. Wir entschieden uns für den Kauf und saßen nur wenige Wochen später beim Notar. Hier erfolgte der offizielle Eintrag ins Grundbuch. Wir waren mega happy und hätten am liebsten Bäume ausgerissen! Da die nächste große Fahrt meines Mannes erst im Juni bevorstand, gingen wir davon aus, wir könnten uns nun in Ruhe in die Renovierung stürzten und uns unser Haus peu á peu nach unseren Vorstellungen einrichten.

Falsch gedacht! Pläne sind da um sie zu ändern!

Da der Kauf, der Gang zum Notar und die Kündigung unserer vorherigen Wohnung sehr spontan erfolgte, waren wir überrascht, wie schnell die Vorbesitzer ihr Haus auf unseren Einzug vorbereiteten. Schon wenige Tage später sammelten sie alles perfekt organisiert zusammen und zentralisierten ihre Möbel, Deko etc. im Kaminzimmer. Wir konnten also tatsächlich damit starten unser neues Haus zu renovieren. Doch wie war das noch gleich mit Murphies Gesetz? Und dem Spruch “Es kommt immer anders als man denkt?” Kaum hatten wir uns mit den Vorbesitzern unseres Hauses darauf geeinigt, dass der Start unserer Renovierungsarbeiten noch ein paar Tage Zeit hätte, schmiss ein spontaner Anruf der Reederei meines Seemannes all unsere Pläne in nur wenigen Sekunden über den Haufen: Aus der nächsten großen Fahrt im Juni wurde plötzlich der 26. April. Wir hatten plötzlich keine 2,5 Monate mehr, sondern noch lediglich FÜNF Tage, um unsere Renovierung vorzunehmen, unsere bisherige Wohnung zu kündigen, unsere Sachen zu packen und umzuziehen. Sportlich, oder?

Improvisation mit einem Seemann

Ja, das war es! Aber gut, ich hatte gerade Semesterferien, mein Praktikum bei meinem bisherigen Arbeitgeber startete “erst” am 2. Mai und wir steckten voller Energie und Euphorie und ein Zurück gab es nicht! Also berichteten wir den Vorbesitzern unseres Hauses von den Neuigkeiten, erhielten tatsächlich direkt die Schlüssel und starteten noch am selben Abend mit unseren geplanten Renovierungsarbeiten. Gemeinsam mit unseren engsten Freunden und Brüdern meines Mannes rissen wir bis in die Nacht Tapeten ab, glichen zwei Decken und einen Boden aus, entfernten den gesamten Boden des oberen Stockwerks und malten die ersten Wände. Zeitgleich kündigte ich unsere Wohnung, fand durch einen Zufall einen direkten Nachmieter und hatte das Glück, dass er nicht nur einen Monat später in die Wohnung ziehen, sondern auch all meine bisherigen Möbel bis auf das Bett abkaufen wollte. So suchten wir uns am Ende des vierten Tages im Eiltempo neue Möbel bei MWN aus und besprachen abends die weiteren Schritte. Nur wenige Stunden später saß mein Mann auch schon früh morgens im Flieger nach Salala im Oman.

4 Wochen Umzugsmarathon und Endspurt

Während er an Bord Kolben zog, rotierte ich durch den Alltag und versuchte meiner Oma, unseren beiden Fellnasen (Hündin Nala und Katze Ninja) gerecht zu werden und zugleich nicht beim Praktikum aufzufallen, da ich um jeden Preis Teil des Teams dieses Unternehmens werden wollte. Ich hatte mich vom ersten Tag an mit seiner Philosophie und den vielen tollen und funktionalen Produkten aus seinem breiten Outdoor Sortiment identifiziert und wollte nun einfach gerne dabei bleiben.

So biss ich in den sauren Apfel, organisierte und improvisierte ich mich durch die folgenden vier Wochen. Zu unserem Umzug war plötzlich ein weiterer krankheitsbedingter Umzug meiner Oma hinzu gekommen. Es hieß, sie werde bettlegerich und müsste ins Heim. Mit diesem Schritt traf ich die schwerste Entscheidung meines bisherigen Lebens. Obwohl mir der Gedanke, meine Oma im Pflegeheim unterzubringen, den Magen umdrehte, sah ich keine andere Lösung. Durch Glück war noch ein Platz im Seniorenwohnheim Frerichs frei.

Schon eine knappe Woche später wohnte sie im Pflegeheim und ich rotierte zwischen unserer alten Wohnung in Neuengroden zu ihrer Wohnung im betreuten Wohnen in Sande, dem Heim in Sengwarden und unserem neuen Haus im selben Dorf.

Parallel dazu war ich mittlerweile 40 Stunden pro Woche als Praktikantin meines letzten Arbeitgebers im Büro tätig, schrieb meine Bachelorarbeit, packte und transportierte Kartons von unserer Wohnung zum Haus und beendete unsere angefangen Renovierungsarbeiten. Dank der Unterstützung meiner Freunde, der Vorbesitzer unseres Hauses und unserer Nachbarn konnte ich im Juli 2012 all diese Kapitel schließen und mich voll und ganz auf meinen letzten Monat als Praktikantin eines führenden Outdoor-Experten konzentrieren.

Und nun freute ich mich wahnsinnig auf die Rückkehr meines Mannes und den Moment, in dem er unser neues Haus frisch renoviert und fertig eingerichtet entdeckte.

Ich nahm an, nun sei die Baustelle geschlossen. Fehlanzeige! Nun ging es erst richtig los! Wie genau, das erfahrt ihr ab sofort in meinen Beitragsserien für Abenteuer Seemannsbraut, Denn man tau!, Einfach Tailormade! und Endlich Klarschiff!

Bilder sagen denke ich mehr als 1000 Worte 😉 Den gesamten Sprint durch mein Leben findet ihr schon bald ebenfalls unter Abenteuer Seemannsbraut 🙂

Ideenflut will geteilt werden! Denn man tau! Ich bin schon sehr gespannt auf eure Erfahrungen mit eurem Seemann, Handwerker etc.

Tschüss und bis bald!

Eure Dorina von Ideenflut – Einfach mal Wat(t) Neues!