In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich euch darüber berichten, wie ich den Spagat zwischen Beruf und Familie bis zu meiner sehr plötzlichen und vollkommen unerwarteten Entlassung gemeistert habe und wieso diese im Nachhinein ein unbezahlbares Geschenk für mich und meine Familie war..

Ehrlich gesagt riss mir der Tag an dem ich  entlassen wurde zunächst buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Mein Kopf war leer, meine Konzentration gleich Null, meine Stimme verstummte und obendrauf folgte noch ein Wasserschaden (Link). Ich konnte es nicht fassen, dass ich 6,5 Jahre für etwas gebrannt hatte, das nun passée war. Da ich während dieser Zeit zweimal Mutter geworden war, hatte ich noch bis zum Tag meiner Entlassung mein Leben um die Arbeit herum organisiert. Obwohl ich nur eine 20 Stunden Stelle als Marketingassistentin hatte, identifizierte ich mich vom ersten Tag an zu 100 % mit dem umfangreichen Outdoor Sortiment und genoss es Teil des Teams eines führenden und stetig wachsenden Outdoor Händlers zu sein. 6,5 Jahre kümmerte ich mich um die Gestaltung zahlreicher Print- und Webgrafiken, schrieb knapp 300 Blogbeiträge, testete mich querbeet durch das Sortiment, interviewte meine Kollegen und präsentierte meine Entdeckungen regelmäßig auf dem Blog des Unternehmens. Alles kreiste sich nur noch darum, über welchen Artikel ich als nächstes berichten könnte, welches Gewinnspiel ich als nächstes vorbereiten müsste, welche Gestaltungsarbeiten als nächstes auf mich warteten und was ich als nächstes auf dem Facebookprofil posten könnte. Auch nach der Arbeit fuhr ich meine Antennen für meine Arbeit im Büro aus, beobachtete unsere beiden Jungs wie sie draußen tobten und verband selbst ihre Entdeckungen und unser Privatleben mit der Arbeit. So stattete ich auch unsere beiden Entdecker mit der passenden Ausrüstung und Outdoor-Bekleidung aus – von der wetterfesten 3-Lagen-Jacke von Vaude bis hin zum passenden Rucksack. Kurz gesagt: Ich benahm mich als sei ICH für das Marketing / das Unternehmens verantwortlich.

Wat(t) Neues! im Überblick

Ich wollte alles und bloß nichts verpassen!

Während der vergangenen Jahre folgte eine Neueröffnung und eine Modernisierungsmaßnahme der nächsten, die Homepage erhielten ein Redesign, eine Relaunch und auch der Blog erhielt im vergangenen Jahr ein neues Design und ich liebte es Teil des Teams zu sein, den kontinuierlichen Wachstum und sämtliche Erneuerungen live mitzuerleben. Daher entschied ich mich sowohl nach der ersten als auch nach meiner zweiten Schwangerschaft dafür lediglich den Mutterschutz als kleine Auszeit nach der Geburt zu nutzen und direkt im Anschluss wieder meiner Tätigkeit als Marketingassistentin nachzugehen. Ich wollte nichts verpassen und nicht umsonst zweimal hintereinander studiert haben. Kurz: Ich wollte alles! Und genau das gelang mir auch bis zur zweiten Schwangerschaft. Bis dahin gelang mir der Spagat zwischen Beruf und Familie. Doch mit der Geburt unseres zweiten Sohnes machte ich schnell die Erfahrung, dass ich mich immer wieder neu organisieren musste, wenn ich den Spagat zwischen Beruf und Familie durchziehen wollte.

Arbeiten, Füttern, Wickeln, Stillen und Schlafen

Vorweg gesagt: Ich habe den Spagat zwischen Beruf und Familie auf die Spitze getrieben, aber übertreibe nicht, wenn ich euch nun ehrlich sage, dass ich mich schließlich von Minute zu Minute durch den Tag taktete. War ich nicht auf der Arbeit, so stillte, wickelte, putzte und sprintete ich im direkten Wechsel. Da unsere Jungs nur knappe zwei Jahre auseinander liegen und ich bis auf meine 85 jährige Oma keinen meiner Familie in meiner Nähe habe, ging es nicht anders. Ich hatte mich zum zweiten Mal bewusst für den Spagat zwischen Beruf und Familie entschieden und wollte mich von nichts bremsen lassen. Da unser Kleiner von Geburt an jedoch deutlich mehr Hunger und erheblich weniger Schlaf brauchte  als unser Großer, mischte er die Karten von Monat zu Monat neu. War ich bei unserem Großen mit zweimal Abpumpen pro Nacht ausgekommen, da unser Großer nachts keinen Appetit hatte, musste ich für unseren Kleinen eine Stillpause auf der Arbeit einlegen, um unserer Tagesmutter (Link) ausreichend Muttermilch für meine Zeit im Büro abpumpen zu können. Da er sehr viel und sehr gerne an meiner Brust trank, verbrauchte er auch deutlich mehr Windeln als ich es bis dato von unserem Großen gewohnt war. Er wurde im Herbst geboren und teilweise hatte ich wirklich das Gefühl ich käme gar nicht mehr raus aus dem Wickeln, Stillen und Putzen. Während ich es zuvor gewohnt war einige Stunden mit unserem Großen im Kinderwagen spazieren zu gehen, kam ich plötzlich nur noch sehr selten dazu, noch vor Einbruch der Dämmerung vor’s Haus zu kommen. Dafür gelang es mit wiederum morgens zu stillen, kurz mit unserer Ridgeback Dame Nala vor die Tür zu gehen und 20 Minuten später mit unseren Jungs im Anhänger mit meinem Ebike zur Arbeit zu unserer Tagesmutter zu radeln, um anschließend um spätestens 8:30 Uhr im Büro einzutreffen.

Warum ich meine plötzliche Entlassung im Nachhinein als Geschenk sehe?

Bis zum Tag meiner Entlassung hatte sich alles perfekt eingespielt. Ich hatte seit dem Sommer gleich zwei Ganztagsplätze und somit Zeit, um in Ruhe zur Arbeit zu fahren und in Ruhe Feierabend zu machen, ohne in den letzten Minuten immer wieder auf die Uhr zu schauen. Ich hatte so viel Zeit, dass ich meinen ehemaligen Chef sogar um ein Gespräch zum Ende des Jahres bat, in dem ich ihn darum bitten wollte meine Stunden zu erhöhen oder mich bei einem Master zu unterstützen, um mich langfristig gesehen fürs Management des Unternehmens weiterzubilden und mit dem Unternehmen zu wachsen. Kurz gesagt: Ich wollte erneut alles!

Anstatt darüber zu sprechen, wie ich meine Stunden zukünftig erhöhen könnte, lagen plötzlich eine Kündigungsbestätigung und ein Aufhebungsvertrag vor mir auf dem Schreibtisch.

Ideenflut stellte mein Leben plötzlich um 180° auf den Kopf!

Von diesem Tag an stellte ich mein Leben auf den Kopf und dachte zum ersten Mal seit Jahren an mich. Mein Mann setzte mir den Floh ins Ohr meine Energie für mich selbst zu nutzen und mich selbstständig zu machen. Anfangs belächelte ich seinen Vorschlag und plötzlich ließ mich der Gedanke nicht mehr los und ich entwickelte mein eigenes Geschäftskonzept und streckte meine Antennen ab sofort für mich aus, denn mein Chef hatte mir mit meiner plötzlichen und vollkommen unerwarteten Entlassung das geschenkt, was ich zuvor nicht mehr kannte: Zeit. Zeit für mich. Während ich zuvor vom Büro zum Kindergarten, vom Kindergarten zum Einkaufen, vom Einkaufen zu unserer Tagesmutter, von unserer Tagesmutter nach Hause radelte und anschließend mit unseren Jungs und unserer Hündin Nala nach draußen ging, hatte ich plötzlich Zeit, um in Ruhe über den Markt zu gehen, in Ruhe einkaufen zu gehen, in Ruhe tolle Geschäfte und originelle Artikel zu entdecken und Zeit um in Ruhe mit Nala spazieren zu gehen. Kurz: Der Sprint ist seitdem vorbei und ich habe sehr viel aus den vergangenen Jahren gelernt. Zwar verbinde ich auch jetzt meine Arbeit mit meinem Privatleben, aber nun mache ich es für mich. Nachdem ich es 6,5 Jahre gewohnt war mir regelmäßig neue Themen für den nächsten Beitrag zu überlegen, merkte ich nach meiner Entlassung sehr schnell, dass ich auch weiterhin schreiben und berichten möchte. Plötzlich hatte ich Zeit für mich und stellte fest, wie sehr mir die Mediengestaltung fehlte und wie gerne ich meine Blogbeiträge schrieb. Seit meiner Entlassung nutze ich die Zeit, um meine Gedanken schriftlich festzuhalten und diese mit euch zu teilen. Ich nutze die Zeit außerdem, um spannende Themen für “Dorina entdeckt und berichtet” zu finden und lerne dabei viele großartige Unternehmer kennen, die eine Leidenschaft mit mir teilen: die Leidenschaft für ihren Traum vom eigenen Unternehmen. Auch teste ich nach wie vor originelle Produkte und erlebe plötzlich ein vollkommen neues Einkaufserlebnis, das ich gerne mit euch teile.

Mich hat leider erst meine Entlassung wach gerüttelt und gezeigt, dass Familie der Anker ist, wenn das Leben stürmisch wird und dass Arbeit zwar wichtig ist, aber im Gegensatz zur eigenen Familie nicht die Welt bedeutet. Würde ich immer wieder dieselben Fehler machen und mich wieder zu 100 % mit meiner Arbeit identifizieren und mein Leben darum organisieren? Ja! Ich bin leider unbelehrbarer und genau deswegen habe ich mich für die Selbstständigkeit entschieden. Ich liebe mein Büro to go (Link) und genieße es mit meinem Laptop überall schreiben und berichten zu können und nebenher tolle Gestaltungsarbeiten von der ersten Skizze bishin zur fertigen Druckvorlage zu erstellen und ich liebe es nicht mehr ständig auf die Uhr schauen zu müssen, da ich nun arbeiten kann, wann ich möchte. Sei es während die Jungs im Kindergarten sind oder auch abends, wenn sie schlafen. Ich kann nun vormittags auf Entdeckungstour in unseren Geschäften gehen, Interviews führen, Produkte testen und abends alles aufs Blatt bringen. Ideenflut bin ich und ich bin so froh, dass ich im direkten Anschluss an meine Entlassung die Zeit genutzt, um Ende März 2019 (pünktlich zu meinem Geburtstag) mit Ideenflut.com an den Start zu gehen.

Und nun bin ich gespannt, ob ihr ähnliche Erfahrungen im Spagat zwischen Beruf und Familie gemacht habt und ob ihr Tipps habt, wie wir Mütter unseren Alltag am besten organisieren können, ohne uns zu dabei vergessen.

Denn man tau! Ideenflut will geteilt werden 😉